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Prüfmittel, Normen

Beitrag 01.12.2025, 13:48 Uhr
PatBur
Level 1 = Community-Lehrling
*
Hallo zusammen

ich stehe gerade mitten in einem etwas grösseren „Normen-Erdrutsch“ im Prüfmittelmanagement und würde das Ausmass kurz schildern – vielleicht kennen einige von euch ähnliche Situationen.

Ich arbeite in einem Automationsunternehmen, ISO 9001-zertifiziert, mit rund 5’000 Prüfmitteln. Vor etwa einem Jahr habe ich die Prüfmittelverwaltung übernommen; als System nutzen wir dafür das Tool „Improve“ von Symprovis.

Der Stein ins Rollen kam, als mir beim Eintragen eines Prüfmittels aufgefallen ist, dass die Norm für Bügelmessschrauben bereits von DIN 863-1 auf DIN EN ISO 3611 umgestellt wurde, wir intern aber weiterhin nach der alten und inzwischen zurückgezogenen Norm DIN 863-1/-2 (Rückzug 09/2024) prüfen. Im Rahmen dieser Abklärungen ist dann das eigentliche Problem sichtbar geworden:
Wir haben im Unternehmen praktisch keine der benötigten Prüfmittel-Normen im Haus – also nicht nur DIN EN ISO 3611 fehlt, sondern generell der systematische Zugriff auf die relevanten Normen.

Bei der weiteren Analyse hat sich gezeigt, dass rund 1’500 Prüfmittel betroffen sind (Bügelmessschrauben, Innenmessschrauben, Tiefenmessschrauben und weitere Längen-Handmessmittel), die intern noch auf Basis alter oder teilweise zurückgezogener DIN-Normen beurteilt werden, obwohl es bereits DIN EN ISO-Nachfolgenormen gibt. Zusätzlich habe ich festgestellt, dass unsere Kalibrierprotokolle zum grossen Teil gar nicht sauber auf den zugrunde liegenden Normen basieren.

Ich bin jetzt dabei, das Prüfmittel- und Normensystem in Improve quasi neu aufzubauen:

benötigte Normen überhaupt erst einmal definieren und beschaffen

Prüfmittel den aktuellen Normen zuordnen

Protokolle und Arbeitsanweisungen normgerecht neu strukturieren

Ziel ist, mittelfristig nur noch mit aktuellen Normen und konsequent normbasierten Prüfprozessen zu arbeiten.

Mich interessiert sehr, wie ihr das in euren Betrieben löst:
Wie organisiert ihr Normenpflege und Prüfmittelprozesse (insbesondere mit digitalen Systemen wie Improve, SAP, CAQ, ect.) – und wer ist bei euch offiziell für die Normenpflege zuständig?
   
Beitrag 17.12.2025, 13:49 Uhr
Lackie
Level 2 = Community-Facharbeiter
**
Der Beuth Verlag bzw. Dinmedia bietet eine Abo-Lösung an. D.h. von allen relevanten Normen im Abo erhältst du jeweils die aktualisierte Fassung bzw. auch Entwürfe. Parallel dazu wird über aktualisierte oder zurückgezogene Normen zeitnah informiert.




ZITAT(PatBur @ 01.12.2025, 12:48 Uhr) *
Hallo zusammen

ich stehe gerade mitten in einem etwas grösseren „Normen-Erdrutsch“ im Prüfmittelmanagement und würde das Ausmass kurz schildern – vielleicht kennen einige von euch ähnliche Situationen.

Ich arbeite in einem Automationsunternehmen, ISO 9001-zertifiziert, mit rund 5’000 Prüfmitteln. Vor etwa einem Jahr habe ich die Prüfmittelverwaltung übernommen; als System nutzen wir dafür das Tool „Improve“ von Symprovis.

Der Stein ins Rollen kam, als mir beim Eintragen eines Prüfmittels aufgefallen ist, dass die Norm für Bügelmessschrauben bereits von DIN 863-1 auf DIN EN ISO 3611 umgestellt wurde, wir intern aber weiterhin nach der alten und inzwischen zurückgezogenen Norm DIN 863-1/-2 (Rückzug 09/2024) prüfen. Im Rahmen dieser Abklärungen ist dann das eigentliche Problem sichtbar geworden:
Wir haben im Unternehmen praktisch keine der benötigten Prüfmittel-Normen im Haus – also nicht nur DIN EN ISO 3611 fehlt, sondern generell der systematische Zugriff auf die relevanten Normen.

Bei der weiteren Analyse hat sich gezeigt, dass rund 1’500 Prüfmittel betroffen sind (Bügelmessschrauben, Innenmessschrauben, Tiefenmessschrauben und weitere Längen-Handmessmittel), die intern noch auf Basis alter oder teilweise zurückgezogener DIN-Normen beurteilt werden, obwohl es bereits DIN EN ISO-Nachfolgenormen gibt. Zusätzlich habe ich festgestellt, dass unsere Kalibrierprotokolle zum grossen Teil gar nicht sauber auf den zugrunde liegenden Normen basieren.

Ich bin jetzt dabei, das Prüfmittel- und Normensystem in Improve quasi neu aufzubauen:

benötigte Normen überhaupt erst einmal definieren und beschaffen

Prüfmittel den aktuellen Normen zuordnen

Protokolle und Arbeitsanweisungen normgerecht neu strukturieren

Ziel ist, mittelfristig nur noch mit aktuellen Normen und konsequent normbasierten Prüfprozessen zu arbeiten.

Mich interessiert sehr, wie ihr das in euren Betrieben löst:
Wie organisiert ihr Normenpflege und Prüfmittelprozesse (insbesondere mit digitalen Systemen wie Improve, SAP, CAQ, ect.) – und wer ist bei euch offiziell für die Normenpflege zuständig?

   
Beitrag 16.02.2026, 16:11 Uhr
PatBur
Level 1 = Community-Lehrling
*
Hallo zusammen

kurzes Update: Ich habe inzwischen die ersten relevanten Normen beschafft und kann damit anfangen, die Prüfmittelklassen sauber auf aktuelle Grundlagen umzustellen.

Dabei sind aber weitere Themen sichtbar geworden, die vorher schlicht verdeckt waren. Zum einen habe ich einen spürbaren Rückstand bei fälligen Prüfungen. Ich kann nicht einfach alles sperren, was normseitig unklar ist das würde je nach Bereich direkt in Richtung Produktionsstillstand gehen. Gleichzeitig ist „weiter wie bisher“ fachlich schwierig, wenn Normen zurückgezogen sind oder unsere Protokolle nicht konsequent auf der Norm basieren.

Zum anderen merke ich jetzt beim Umstellen, dass viele Kalibrierprotokolle historisch gewachsen sind. Sobald man die Norm wirklich danebenlegt, wird klar, dass es nicht reicht, nur die Normnummer zu ersetzen – Messpunkte, Entscheidungsregeln, Konformitätsaussagen und auch die Frage der geeigneten Normalbasis müssen teilweise neu strukturiert werden. Und das Ganze muss in Improve so abgebildet werden, dass Normversionen, Gültigkeiten, Arbeitsanweisungen und Protokolle nachvollziehbar verknüpft sind, sonst wird es in der Übergangsphase schnell unübersichtlich.

Was bei mir zusätzlich noch dazukommt: Es geht nicht nur um klassische Messmittel. In meinem Bereich fallen aktuell auch Hebemagnete, Traversen, Hebegurte und weiteres Hebezeug, ebenso PSAgA, Leitern, ortsfeste Regale und ähnliche prüfpflichtige Betriebsmittel mit hinein. Das macht die Organisation (und die Normen-/Dokumentenbasis) nochmals komplexer, weil hier oft andere Regelwerke, Prüffristen und Zuständigkeiten greifen.

Mich würde deshalb interessieren, wie ihr das in der Praxis löst, wenn ihr mitten in so einer Umstellung steckt: Wie überbrückt ihr die Zeit, bis Prozesse und Protokolle vollständig normgerecht sind, ohne den Betrieb abzuwürgen? Wie dokumentiert ihr Normwechsel und Normversionen in euren Systemen (Improve, SAP, CAQ etc.) so, dass es auditfest bleibt? Und ganz konkret: Wie viele Personen übernehmen bei euch die Prüfmittelverwaltung und Kalibrierkoordination/Prüfung (intern und extern) macht das eine Person „nebenbei“ oder ist das bei euch auf mehrere Schultern verteilt?
   
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